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Rippers

geschrieben von Friederike Schmutzler

Man nehme eine Prise gotischen Horror, füge eine unbestimmte Menge Steampunk dazu, mixe es etwas mit Shadowrun (dabei nicht vergessen, das EDO auszusieben) und schmecke das ganze mit etwas Pulp ab: Voìla, „Rippers“ ist fertig – und mundet dem Leser und Spieler ganz vorzüglich. Äußerlich kommt Rippers recht konventionell daher (schließlich ist es immer noch ein Buch), aber der Inhalt kann sich sehen lassen. Schon die Fluff-Einleitung erzeugt ein „Das will ich spielen!“ - Gefühl, und dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Setting.
Aber der Reihe nach, worum geht es in Rippers genau?
Namensgebend für das Setting ist die Organisation „Rippers“, die ein gewisser Dr Abraham van Helsing, sein Freund Dr. „Jack“ (ja, DER Jack) sowie weitere berühmte Protagonisten des englischen Schauerromans gegründet haben. Ihre Aufgabe ist schnell beschrieben, aber mit Sicherheit nicht einfach, wollen sie doch die Mächte des Bösen in Schach halten. Das tun sie auch mit Hilfe der „Rippertech“, Körperteilen und Organen der Wesen, die sie jagen, und die sie sich selbst einpflanzen.
Allerdings kann so etwas nicht lange gut gehen, und Dr. „Jack“ wechselt die Seiten, um fortan als Anführer der Kabale seinen ehemaligen Freunden und Mitstreitern das Leben schwer zu machen. Soweit die Ausgangssituation von Rippers. Ohne viel Federlesens wird der Spieler dann auch gleich in die Mitte des Geschehens geworfen, es gibt keine langen Einleitungen und Flufftexte, sondern gleich die harten Fakten in Form von Regeln. Die Grundregeln sind die der Savage Worlds Gentlemen's Edition Revised, die ebenfalls bei Prometheus erschienen sind, es gibt aber wie in vielen Settings natürlich noch eigene Regeln wie beispielsweise neue Talente und Handicaps.
Wer jedoch glaubt, der schnelle Einstieg in die Regeln zieht auch automatisch ein schnelles Durchlaufen der selbigen nach sich, irrt. Schritt für Schritt werden Charaktererschaffung, die Magieformen und die settingeigenen Regeln aufgeführt, wobei der Rippertech sogar ein eigenes Kapitel gewidmet ist.
Nähere Hintergründe zur Welt im Allgemeinen und den Rippers und ihrem Hintergrund bietet das folgende Spielleiterkapitel. Gekonnt wurde die Rahmenhandlung von Rippers in bester Pulpmanier in die tatsächliche Geschichte eingebaut, und für alle, die jetzt diese pulpige Steampunk-Horrorwelt erkunden und bereisen wollen, folgt ein Reiseführer, in dem nicht nur weitere Hintergrundinformationen warten, sondern auch Querverweise auf die Savage Tales, die sich weiter hinten im Buch befinden sowie auf mögliche Plothooks bzw. Begegnungen, denen die Rippers sich stellen müssen.
Die Savage Tales (die für sich genommen teilweise wieder „nur“ Unterkapitel einer großen Plot Point-Kampagne sind) bilden das Highlight des Buches. Während in anderen Rollenspiel-Büchern gerade mal ein Abenteuer (wenn überhaupt) zu finden ist, bietet Rippers davon gleich mehr als drei Dutzend davon, und wem das noch nicht genug ist, der kann den Abenteuergenerator aus dem Kapitel davor nutzen, um seine eigenen Rippers-Abenteuer zu erfinden. Falls dafür noch ein paar schlagfertige Gegner fehlen, so kann man diese im Kapitel „Begegnungen“ finden. Aber auch NSCs wie zum Beispiel das aus „Dracula“ bekannte Ehepaar Harker sind dort komplett mit Spielwerten aufgeführt.

Fazit:
Rippers bietet ein faszinierendes, eigenständiges Setting, das in keine Schublade passt und dadurch für die Freunde vieler Genres Unterhaltung bietet. Die Plotpoint-Kampagne dürfte ebenfalls dazu beitragen, und die Savage Worlds-Regeln fördern das schnelle actionreiche Pulpfeeling, dass die Kampagne durchzieht.
Allerdings ist das Buch selbst leider etwas unstrukturiert und wirkt an manchen Stellen etwas wie mit der heissen Nadel gestrickt: Einige Unterkapitel mehr, vor allen Dingem im SL-Bereich, hätten dem Buch und seiner Struktur sicher gut getan, so weiss man leider nicht genau, wo der für den SL reservierte Teil beginnt und wo er endet, man erahnt es mehr oder weniger. Da solche Dinge aber bei Regelwerken sehr wichtig sein sollten, gibt es leider wieder einen Punkt Abzug.

Punkte: 5 von 6 Punkten
  • Art: Savage Worlds-Setting
  • Verlag: Prometheus Games
  • Seiten: 243
  • Preis: 34,95 €