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Einsamer Wolf 8

geschrieben von Jan-Niklas Bersenkowitsch

Nachdem Einsamer Wolf nur knapp den lebensgefährlichen Hallen des ,,Schloss des Todes' entkam, ist es für den letzten der Kai erneut Zeit aufzubrechen und einen weiteren Weisheitsstein in seinen Besitz zu bringen, um der Rettung Magnamunds ein weiteres Stück näher zu kommen.

Diesmal liegt sein Ziel im lebensgefährlichen Danargdschungel, in einem verborgenen Tempel der Altmagier von Dessi und seine Reise wird ihn dabei erneut in die Stornlande durch das Königreich Talestria führen. Zum Glück steht Einsamer Wolf diesmal tatkräftig ein Begleiter, der Vakeros -Kampfmagier Paido, zur Seite, sodass er diesmal zumindest einmal auf Unterstützung bauen kann.

Die kann er auch gebrauchen, denn die Schwarzen Lords haben sich nach Jahren des Bürgerkrieges wieder unter dem Bannern eines einzigen Herrn vereint und beginnen nun ihren blutigen Feldzug, gegen die Königreiche der Menschen.

Mehr als einmal wird sich der Weg des letzten der Kai, mit denen der Diener des Bösen kreuzen...

,,Der Dschungel des Grauens'' teilt sich, wie der Band ,,Die Grotten von Kulde“, in zwei große Abschnitte. Der erste thematisiert die Reise in die Stadt Tharro, der zweite den Weg zum Tempel durch den Danargdschungel. Während der Danarg sehr linear abläuft und mit einigen Zufallsbegegnungen aufgelockert wird, teilt sich der erste Abschnitt zu Beginn in zwei Pfade, einer zu Lande, einer zu Wasser, die beide tatsächlich sehr unterschiedlich verlaufen und dem Spieler jeweils ein ganz anderes Spielgefühl vermitteln.

Dabei geht es in diesem Teil des Buches meistens weniger um den Einsatz der Disziplinen, an betreffender Stelle die richtige Entscheidung zu treffen und auch hier und da lockern auch einige Rätsel (zumeist Zahlenspiele) den Spielverlauf etwas auf.

Und da beide Wege den Spieler jeweils mit völlig unterschiedlichen Herausforderungen konfrontieren, erhöht sich damit auch der Wiederspielwert des Buches, der alleine schon durch den Abwechslungsreichtum beider Pfade gegeben sein dürfte.

Auch die Kämpfe sind (sieht man vom Endkampf des Buches einmal ab) vergleichsweise fair. Zwar fordern sie, aber wenn der KS-Wert hoch genug ist oder man gut plante und bereits den Kreis des Geistes (der immerhin KS und AS um jeweils 3 Punkte erhöht) gemeistert hat, sollte man wertetechnisch auch ohne das Sommerswerd, welches immer noch erheblich den Spielverlauf vereinfacht, gegen alles gewappnet sein, was sich einem entgegenstellt.

Spielerisch ist das vorliegende Buch also hervorragend ausgearbeitet, auch wenn der Begleiter Paido nicht wirklich etwas zum Spielgeschehen beiträgt, was aber auch gut ist, da dadurch nicht verhindert wird, dass der Spieler die Geschichte beeinflusst und nicht etwa die oberste Instanz in Form des Autors.

Die Handlung selbst verdient ebenfalls einiges an Lob. Nach den doch etwas dünn erzählten Vorgängern, Band 6 und 7, setzt sich nun endlich der Kampf gegen die Schwarzen Lords fort, die Geschichte selbst ist so vielseitig wie der spielerische Teil des Bandes und hat die eine oder andere überraschende Wendung aufzuweisen. Es wird in diesem Band schön die Spannung für das was nach ihm kommen mag geschürt und erste Fäden für den weiteren Verlauf der Handlung gelegt und das vor der Kulisse des sich langsam ausbreitenden Krieges gegen die Schwarzen Lords, dessen erste Zeichen man hautnah miterleben kann, wodurch die Atmosphäre wieder so bedrohlich wie in den ersten beiden Bänden wird.

Mr Dever findet sogar die Zeit, ein wenig mit dem gewohnten Ablauf der Geschichte zu spielen (wie, sei natürlich nicht verraten) wodurch auch das Misstrauen des Spielers ein wenig geschürt wird und der Band sich mit diesem kleinen Kniff in der Handlung zu einem kleinen Meisterwerk avanciert und für sich stehend 5 Sterne erhält.

Doch gibt es ja auch noch ein Bonusabenteuer, welches den geheimnisvollen Namen ,,Maskerade in Hikas' trägt.

Verfasst wurde es von Darren Pearce und dreht sich um Einsamer Wolfs Begleiter Paido, der in der Stadt Hikas ermittelt und nach Anzeichen von Aktivitäten der Agenten der Schwarzen Lords Ausschau hält.

Das Abenteuer selbst gehört mit 153 Abschnitten, sicherlich zu den größeren Bonusabenteuern und erzählt eine simple und geradlinige Geschichte. Diese ist jedoch äußerst spannend erzählt und dem Autor gelingt es auch einiges Abwechslungsreichtum innerhalb der Handlung und vor allem im Spielverlauf selbst einzubauen.

Dies schlägt sich vor allem im Einsatz Vakeros-Fertigkeiten wieder. Zwar besitzt Paido, wie alle bisher spielbaren Helden, acht Fertigkeiten, doch kommt es vor, dass diese sich schon innerhalb ihrer Beschreibungen in mehrere Unterpfade aufteilen.

Das bedeutet, wenn man sich eine Fertigkeit auswählt, wählt man noch eine bestimmte Unterkategorie aus, wodurch man wieder Zugriff auf andere Fertigkeiten hat.

So kann man sich zum Beispiel in der Fertigkeit Prophezeiung für einen Orts-(Ereignisse vor Ort), Zukunfts-(ignorieren von Schaden in der ersten Kampfrunde, beziehungsweise einmal zu einem bestimmten Abschnitt zurückkehren, um dort eine Entscheidung rückgängig zu machen) oder Aurablick (die wahren Absichten des Gegenübers erfragen) entscheiden und an betreffender Stelle wird nach dieser Fertigkeit gefragt.

Dadurch ergeben sich unglaubliche viele Möglichkeiten, die den Spielverlauf verschieden beeinflussen und selbst bei der Linearität des Abenteuers dessen Wiederspielwert steigern. Auch in den Kämpfen tut sich etwas, denn jeder größere Feind besitzt eigene Fertigkeiten, die er ab einer gewissen Rundenzahl oder einer bestimmten Anzahl von Ausdauerpunkten einsetzt, sodass die etwas statischen Kämpfe etwas dynamischer werden, ohne unnötig kompliziert werden und neben dem Schwierigkeitsgrad auch die Spannung steigern.

Das macht ,,Maskerade in Hikas' zu einem erstaunlichen guten Abenteuer, welches dem Band seinem fünften Stern verliehen hätte, wäre die Qualität von ,,Der Dschungel des Grauens' nicht schon so überragend.

So rundet es den Gesamteindruck noch etwas ab und der gesamte Band hat sich seine Bestwertung zurecht verdient.

Punkte: 6 von 6 Punkten