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Der ewige Krieg

geschrieben von Friederike Schmutzler

Der jüngst erschienene Roman von Joe Haldeman („Der Herr der Zeit“, „Camouflage“) aus dem Mantikore-Verlag sind eigentlich drei Bücher in einem: „Der ewige Krieg“ und sein direkter Nachfolger „Am Ende des Krieges“ sowie das thematische Sequel „Der ewige Frieden“ finden sich in diesem Band.

In „Der ewige Krieg“ verarbeitet Haldeman seine Erfahrungen als Soldat in Vietnam, er wählt dazu jedoch eine Science-Fiction-Allegorie. Der junge Soldat William Mandella meldet sich 1997 zur Armee, denn ein geheimnisvolles Volk bedroht die Menschen, die langsam damit begonnen haben, das Weltall zu kolonisieren. Doch nicht nur die Taurier, wie die Gegner von den Menschen genannt werden, stellen eine Gefahr für Mandella und seine Freunde und Kollegen dar, ein weiterer Gegner ist die Gesellschaft der Erde selbst. Während die Soldaten Zeit im All verbringen und die Zukunft der Erde verteidigen, wird ihnen ihre eigene entrissen, denn während für sie im All nur wenige Monate vergehen, sind es auf der Erde mehrere Jahrzehnte. Die Veränderungen dort treiben Mandella immer wieder zurück in den Krieg – der schliesslich zum Ewigen Krieg wird.

Im zweiten Band, „Am Ende des Krieges“, ist der Krieg schließlich zu einem Ende gekommen, und Mandella und seine Familie haben sich auf einem eher unwirtlichen Planeten weit entfernt von der Erde niedergelassen. Sie sind Relikte aus einer längst vergangenen Zeit, und so beschliessen sie, in einem Raumschiff zu warten, ob die Zeiten sich zu ihren Gunsten ändern können. Doch dieses Vorhaben ist nicht so einfach umzusetzen, wie gedacht, und hat weitreichende Folgen.

Während die ersten beiden Bände ihren Schwerpunkt auf einen Krieg im Weltall legen, finden die Kampfhandlungen in „Der ewige Frieden“ ausschließlich auf der Erde statt vor einem an den Cyberpunk der 80er Jahre erinnernden Hintergrund. Es handelt sich bei diesem Buch um keine wirkliche Fortsetzung, doch ist die Thematik – ein ewiger Krieg gegen scheinbar gesichtslose Gegner – die gleiche wie in den vorangegangenen Büchern. Hauptperson von „Der ewige Frieden“ ist der Soldat Julian Class, der mit seinen Leuten jedoch nicht mehr selbst ins Feld zieht, sondern aus sicherer Entfernung riesige Maschinen, sogenannte Soldier Boys, fernsteuert. Nach einem Schlüsselerlebnis kommen Julian jedoch Zweifel, ob der weltweite Krieg der Allianz gegen die Rebellen (es wird nie explizit gesagt, um wen es sich dabei genau handelt, Südamerika und Afrika werden als Anhänger der Rebellen genannt, die USA gehören zur Allianz) noch sinnvoll ist, und er und seine Kollegin und Partnerin Amelia forschen nach einer Möglichkeit, den Krieg endlich zu beenden.

Zwei Männer, zwei Welten, zwei Kriege. Doch William und Julian haben außer ihrem Äußeren und ihrem Alter noch mehr Gemeinsamkeiten: Der Krieg wird von Aussenstehenden glorifiziert, auch wenn teilweise niemand mehr so genau weiss, warum eigentlich gekämpft wird (in „Der ewige Krieg“ sind die Leute, die es noch wissen könnten, ganz einfach über die Jahrhunderte ausgestorben, in „Der ewige Frieden“ scheint es einfach niemand mehr zu wissen), und er entmenschlicht diejenigen, die ihn führen, psychisch und physisch: William fliegt ins All, wissend, dass die Welt, die er kennt, beim nächsten Mal nicht mehr vorhanden sein wird und er keinen Platz in dieser Gesellschaft hat; Julian steuert einen riesigen Kampfroboter, der für ihn stellvertretend kämpft. Die Handlung der Bücher mag in einer entfernten Zukunft spielen – als „Der ewige Krieg“ 1977 zum ersten Mal erschien, war 1997 noch Science-Fiction und ein anderer ewiger Krieg hatte die Menschen noch bis vor kurzem in seinen Bann gehalten – doch ihre Thematik ist aktueller denn je. Haldeman schrieb „Der ewige Krieg“ als Allegorie auf den Vietnam-Krieg, jenes amerikanische Trauma, das immer noch anhält, doch der moderne Leser wird auch aktuelle Kriegsschauplätze darin wiederfinden. Julians Krieg ist die Weiterentwicklung des Cyber-Kriegs, wie er bereits durch die Medien geistert, es wird nicht mehr Mensch gegen Mensch kämpfen, sondern Maschine gegen Mensch.

Es gibt keine einfache Lösung dieser Konflikte, jede Lösung bringt neue Konflikte mit sich, doch es zeigen sich Hoffnungsschimmer. Haldeman bietet keine Happy-Ends an, auch wenn „Der ewige Krieg“ das mit seinem zunächst klebrig-süss anmutenden Finale vermuten lässt. Er hält auch nicht den moralischen Zeigefinger hoch, sondern lässt seine Leser den Krieg durch die Augen seiner Hauptpersonen erleben. Natürlich entsteht so eine Wertung, doch gleichzeitig ist der Leser viel tiefer im Geschehen eingebunden, er erlebt in „Der ewige Frieden“ den Rapport, den Julian mit seinen Mitsoldaten hat genau wie die Irritationen, die William, das Relikt aus dem 20. Jahrhundert, angesichts der Entwicklungen der neuen Zeit erfährt.

„Der ewige Krieg“ ist kein Buch für Zwischendurch, aber ein Buch (oder vielmehr drei), dass man definitiv gelesen haben sollte. Die Übersetzung von Verena Hacker trägt das Ihre dazu bei, und das Interview mit Joe Haldeman am Ende des Buches sorgt dafür, dass der Leser das Gefühl hat, dass die Trilogie wirklich einen Abschluss gefunden hat – in der Geschichte, aber definitiv noch nicht in der Realität.

Punkte: 5 von 6