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Das Lied von Eis und Feuer

geschrieben von Friederike Schmutzler

Game of Thrones ist DAS Popkultur-Ereignis der letzten Jahre: Die Bücher der Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von G.R.R. Martin wurden weltweit 15 Millionen mal verkauft, in mehr als 20 Sprachen übersetzt, die Serie nach den Romanen ist eine der erfolgreichsten HBO-Serien und ein Ende ist nicht in Sicht.

Auch zwei Rollenspielumsetzungen gibt es bereits, sie erschienen 2005 bei Guardian of Order und 2007 bei Green Ronin. Eben diese wird nun auch zur SPIEL 2013 erstmals auf Deutsch beim Mantikore Verlag erscheinen, und vorab gibt es bereits für 10 Euro ein Schnellstarter-Heft mit einem riesigen Poster, das auf einer Seite eine Karte von Westeros zeigt (kleiner Wermutstropfen: Der Druckfehler, denn ich bin mir sicher, es soll „Die eisige Bucht“ und nicht „Buch“ heissen) und auf der anderen Seite großformatig das Titelbild des Schnellstarters.

Ich werde jetzt hier nicht weiter auf die Diskussionen um den Preis eingehen, denn das ist nicht Gegenstand dieser Rezension. Abgesehen davon bin ich auch der Meinung, dass die Bezeichnung „Schnellstarter“ vielleicht ein wenig tiefgestapelt ist. Im Grunde erhält der Leser mit diesem knapp 50 Seiten starken, in Vollfarbe bebilderten Heft ein komplettes Einsteigerspiel.

Gerade im Zuge von „Wie kann ich mehr Nichtspieler begeistern“ halte ich diesen Schnellstarter für ein besonders gelungenes Produkt für den deutschen Markt und um die Fans der Buch- und Fernsehserie (die übrigens gerade für 16 Emmys, den „Fernseh-Oscar“, nominiert wurde) für das Hobby Rollenspiel zu begeistern. Aber was bekommt man denn nun für seine knapp 10 Euro außer einem Poster?

Zunächst gibt es eine Kurzeinführung für all diejenigen, die (noch) nicht mit der Welt von Westeros vertraut sind. Hierfür wurden die deutschen Namen der Neuauflage der Bücher und der Synchronisation der Fernsehserie verwendet. Diese Namen mögen Geschmackssache sein (meinen treffen sie definitiv nicht), aber so ist zwischen Büchern, deutscher Synchro und Rollenspiel eine gewisse Kontinuität gegeben und natürlich ein hohes Wiedererkennungsgefühl.

Nach der Einführung geht es gleich an die Charaktererschaffung und an die grundlegenden Mechanismen des Spiels. Die Charaktererschaffung ist weitestgehend vollständig, es fehlen lediglich weitere Eigenschaften und Nachteile, dazu wird auf das im Herbst erscheinende Grundregelwerk verwiesen.

Ein weiterer Grund dafür, dass sich der Schnellstarter auch als Einsteigerregelwerk eignet, ist das recht einfach zu lernende System, das nur W6 benötigt. Eben solche sollten sich eigentlich in jedem Haushalt finden lassen, wie es auch in der Einleitung des Kapitels „Wie das Spiel funktioniert“ beschrieben wird. Gewürfelt wird mit einer bestimmten Anzahl W6 – soviele, wie der Spieler Ränge in dieser Fertigkeit hat – und das Ergebnis wird addiert. Hat der Spieler Bonus- oder Strafwürfel, werden entsprechend gewürfelte Würfel weggenommen und der Rest addiert. Ansonsten ist das System von „Das Lied von Eis und Feuer“ recht konventionell, einzige Ausnahme ist hier das Intrigensystem.

Soziale Kampfsysteme sind ja etwas, was eher aus dem Indiebereich oder der FATE-Ecke bekannt ist, umso besser gefällt mir die Idee dieses Konfliktmechanismus. Schliesslich sind höfische Intrigen etwas, was den Reiz der Geschichten aus der „Das Lied von Eis und Feuer“-Reihe ausmachen. Entsprechend ausführlich wird auch auf das System eingegangen, und ich kann mir vorstellen, dass es in seiner Ausführlichkeit dem späteren Grundregelwerk in Nichts nachsteht.

Nach dem Intrigenkapitel folgen noch zwei Seiten Ausrüstungen, und dann auch schon das Abenteuer. „Reise nach Königsmund“ ist nicht wirklich ein Ausbund an Spannung, aber sicher geeignet, ein wenig die Welt und das System kennenzulernen. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass gerade die sozialen Charaktere bei diesem Abenteuer auf ihre Kosten kommen dürften, da es eher Standard-Kampfsituationen beinhaltet. Aber das sollte eine interessierte Gruppe ja nicht davon abhalten, mit den vorgefertigten Charakteren, die auch untereinander sehr schön verknüpft sind, weiterzuspielen. Gerade weil sie so liebevoll ausgearbeitet sind, sind sie für dieses 08/15-Abenteuer eigentlich viel zu schade.

Was bleibt noch? Die Übersetzung lässt keine Wünsche übrig, ebensowenig das Lektorat. Die deutschen Namen habe ich bereits erwähnt, daraus kann man aber weder Übersetzer noch Lektor einen Strick draus drehen, viel mehr halte ich es wie eingangs erwähnt für eine gute Idee, diese beizubehalten.

Abschliessend bleibt mir nur zu sagen, wer ein schönes Poster möchte und dazu noch Serienfans, die noch nie ein Rollenspiel gespielt haben, begeistern will, sollte sich dringend den Schnellstarter zulegen. Wer nicht bis zum Erscheinen des Grundregelwerks warten will, allerdings auch, denn hier liegt mal wieder ein hervorragendes Produkt aus dem Hause Mantikore vor.

Punkte: 6 von 6
  • Art: Rollenspiel
  • Verlag: Mantikore-Verlag
  • Seiten: 48
  • Preis: 9,95 €